Evangelischer Youtube-Kanal geht an den Start

26.04.2018

Der evangelische Youtube-Kanal "Jana" ist an den Start gegangen. Protagonistin ist die 19-jährige Poetryslammerin Jana Highholder. Die Studentin aus Münster spricht wöchentlich über die kleinen und großen Ereignisse im Leben junger Menschen, über Liebe und über ihren Glauben. Die Zielgruppe des Youtube-Angebotes sind junge Menschen im Alter zwischen 14 und 29 Jahren. (mehr...)

Rat der EKD ruft zu gemeinsamem Eintreten gegen Judenfeindlichkeit auf

26.04.2018

Auf der vergangenen Tagung hat der Rat der EKD die jüngsten antisemitischen Vorfälle und Übergriffe in Deutschland scharf verurteilt. Aus theologischer Überzeugung sowie aus historischer Verantwortung für jahrhundertelanges kirchliches Versagen sagt die EKD unmissverständlich: Christlicher Glaube und Judenfeindschaft schließen einander aus. In einer gemeinsamen Broschüre, die bereits 2017 von EKD, VELKD und UEK veröffentlicht wurde, stellt die evangelische Kirche klar: "Antisemitismus ist Gotteslästerung".  (mehr...)

Kampagnenmotiv für den Kirchentag in Dortmund 2019

23.04.2018

"Von Vertrauen getragen" heißt das Motto der Kampagne zur Vorbereitung auf den Deutschen Evangelischen Kirchentag 2019 in Dortmund. Kirchentagspräsident Hans Leyendecker, Generalsekretärin Julia Helmke und Annette Kurschus, Präses der Landeskirche von Westfalen, stellten in Dortmund das zentrale Motiv der Kampagne vor. Es zeigt einen Menschen, der von Luftballons getragen wird. (mehr...)

Kirche und Digitalisierung

15.04.2018

Kirche und Digitalisierung, das ist kein Selbstläufer, aber auch kein Gegensatz. Zahlreiche Initiativen und Debatten zeigen: Man ist unterwegs. Meinungsstark, vielfältig, mitunter kontrovers, experimentierfreudig und einfallsreich - gut protestantisch digital. (lesen Sie weiter)

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Rogate: Luk 11, 5-13

21.05.2017 | 10:00

Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt. Amen.

Liebe Gemeinde,

"warum treten jedes Jahr .... (so viele Menschen) aus unserem Kirchen aus und machen sich allein auf den Weg? Sie lassen sich von allem Tamtam und Luther & Co. nicht mehr blenden. Selbst ein neuer Papst ändert nichts daran. Warum reisen Tausende Menschen jährlich in den Fernen Osten, treiben sich auf Tausenden Metern Höhe im Himalaya herum, um dort Buddha oder Konfuzius zu treffen? ... Religion ist das Thema unserer Zeit. Und wir hier im Westen verstehen es nicht. Vor 50 Jahren zogen die Esoteriker nach Poona zu Baghwan alias Osho oder nach Putterparthi zu Sai Baba. Heute fliegen nicht selten die selben Leute nach Amritapuri, für eine persönliche Umarmung von Amma. Irgendwo in Indien. Indien ist immer gut für die Hoffnung auf Erleuchtung. … Weshalb können inzwischen so viele Menschen Gedichte des muslimischen Mystikers Rumi auswendig, während sie von den Seligpreisungen Jesu keine Ahnung mehr haben?! Warum das Gute nicht in der Nähe suchen, warum nicht in der eigenen christlichen Tradition? Es liegt eben nicht mehr so nah, das Gute, unsere eigene alte und ehrwürdige spirituelle Kultur ...",

sagt Jürgen Fliege, durchaus umstrittener Fernsehpfarrer, der früher jeden Tag in einer Fernseh-Talkshow zu sehen war und legt den Finger durchaus in eine Wunde, finde ich. Für mich spricht jetzt nichts gegen Rumi (ich mag ihn, sehr), Zen-Buddhismus oder andere Religionen und ihre Riten und Traditionen (ich glaube, das wollte er auch nicht sagen), womit er allerdings Recht hat, ist doch, ich zitiere:

"...Leute gehen mittlerweile zur vom Arzt verordneten Yogastunde [ich bitte festzuhalten, es spricht gar nichts gegen die Yogastunde, weder gegen ihren medizinischen noch ihren therapeutischen und auch nicht ihren spirituellen Wert! - das ist nicht sein Punkt und meiner auch nicht], meditieren in Rehakliniken vor sich hin und auf Teufel komm raus, ohne genau zu wissen, was das eigentlich sein könnte: Meditation... Aber wenn es ans Beten geht, wenn es heißt, die Hände zu falten und auf die Knie zu sinken - ohne Yogamatte - und Gott zu suchen, dann wird es kritisch: rede mir nicht vom Beten, rede mir nicht von Gott", heiße es dann.

(aus: Beten von Jürgen Fliege, S. 15ff.)

Heute aber, am 5. Sonntag nach Ostern, geht es genau darum, ums Beten. Um dieses fast in Vergessenheit geratene Zwiegespräch des Menschen mit Gott.

Darum, wie beten geht.

Direkt vor unserem Predigttext steht bei Lukas am Eingang dieses Kapitels: Und es begab sich, dass Jesus an einem Ort war und betete. Und da er aufgehört hatte, sprach einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns beten! Und Jesus selbst antwortet ihm: Wenn ihr betet, so sprecht:


Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

Das Vaterunser. "Lehre uns beten", sagen die, die mit diesem Jesus von Nazareth unterwegs waren, selber gottesfürchtige Menschen, selber vertraut mit den Traditionen ihrer Religion, und offenbar doch so fasziniert von dem, was sie an ihm wahrnehmen konnten, dass sie es von ihm noch einmal neu lernen wollten. So wie er beten lernen wollten. Wohl, weil sie ihren Lehrer beobachtet hatten, wie er sich zurückzog und betete, in die Stille ging, lauschte, sich versenkte, seinem Vater im Himmel nahe kam und nahe blieb. Wohl, weil sie die Intimität dieser Beziehung spürten und die große Kraft, mit der sie ihn aufgeladen hat immer wieder. Wohl, weil sie begriffen haben, was dieses Gehaltensein für sein Leben (und später sein Sterben) bedeutet hat. Und weil sie wahrscheinlich selber so intim mit diesem Gott, den Jesus mit Abba, lieber Vater angesprochen hat, sprechen können wollten. Darum: "Herr, lehre uns beten!"

"Rogate! Betet!", heißt dieser Sonntag und nimmt uns mit in Jesu Schule. Nun nicht entlang am Vaterunser, sondern hinein in die Haltung, in die Intimität jenseits der vorgegebenen Form.

Beten, das geht so – sagt Jesus: Betet so wie der Freund, der Gott zum Nachbarn hat, der weiß, er wohnt nur eine Tür weiter.

Betet so, dass ihr euch darauf verlasst, dass er da ist, geht davon aus, dass er neben euch wohnt. So betet. "Ich nannte dich den Nächsten meiner Nächte und meiner Abende Verschwiegenheit!", wie Rilke sagt. Betet so, als wohnte er Kammer an Kammer mit euch und es gäbe nichts, was ihr einander vorenthalten müsstet.

So, wie Ihr darauf hofft, dass ein wirklicher Freund in der Not auch mitten in der Nacht für Euch sein Haus öffnen, ans Telefon gehen, Euch zuhören würde, Euch nicht allein ließe. Selbst in der Nacht, wenn die Sorgen laut werden und unüberhörbar anklopfen und Euch den Schlaf rauben, würde er sich stören lassen. Wenn Ihr alleine nicht mehr weiterkommt, euch nur noch im Kreis dreht, das Gedankenkarussell nicht anhalten könnt, dann scheut euch nicht und sucht ihn auf. Betet so, dass ihr darauf vertraut, dass er dann da ist und euch seine Kammer öffnet. Betet, bittet, fleht ihn an.

Rogate! Betet!

Beten, das geht auch so, sagt Jesus! Und fährt fort:

Betet auch wie der Freund aus dieser Geschichte, der für seinen Freund zu Gott geht und für ihn bittet, weil der ihn braucht.

"Ich bete für Sie!", ich "lege Sie unserem Gott ans Herz!", hat Ihnen das einmal jemand gesagt, als das wichtig war für Sie. Als Sie gespürt haben, dass ein anderer Sie sieht und Ihre Not wahrnimmt und einen weiß, der helfen kann? Und dann wie dieser Freund losgeht und genau das tut: Sie diesem Gott ans Herz legen, genau so für Sie betet wie für sich selbst. Und manchmal ja noch viel mehr, weil einer leidet, den man liebt.

Belehnt die enge Nachbarschaft zu Gott, indem ihr für andere betet wie dieser Freund.

Für die, die erst ankommen, wenn schon alle Türen abgeschlossen sind. Für die, deren Reise mühsam und voller Hindernisse ist. Für die Müden und Erschöpften und für die Hungrigen. Wenn sie am Ende ihrer Kräfte sind und ihr Weg noch weit, dann brauchen sie einen Ort der Ruhe. Beten heißt auch, sie ins Gebet zu nehmen wie dieser Freund, dessen Nachbar Gott ist. Bitten wir auch für sie bei Gott, klopfen wir an bei ihm, damit auch wir ihnen Brot geben können. Holen wir von ihm, was sie brauchen, aber wir selbst ihnen nicht geben können. Lassen wir uns in Dienst nehmen von Gott, werden wir selbst ein guter Nachbar für die, die solche Nachbarschaft brauchen. Wie wir selbst.

Rogate! Betet!

Beten, das geht auch so, sagt Jesus: Betet so wie ich zu meinem Vater im Himmel. Wie Kinder, die mit allem, was sie brauchen, zu ihren Eltern laufen. Die darauf vertrauen, dass sie geliebt werden. Die guten Grund haben zu der Annahme, dass sie da alles bekommen, was sie zum Leben brauchen. So wie ein Vater sich über seine Kinder erbarmt, so wie eine Mutter, die birgt und tröstet und liebkost, die die ihren sind, so verlasst euch darauf, dass Gott für euch da ist, Euch im Blick hat, Euch nicht aus den Augen verliert. Darauf, dass er längst weiß, was ihr braucht und es euch geben will.

So beten wie die Kinder, von denen Jesus erzählt. Die wissen, dass ihr Vater sie keiner Gefahr aussetzen, ihnen nichts Schlechtes geben würde. So beten, dass ihr alles von ihm erhofft und zu bekommen glaubt. So voller Vertrauen wie kleine Kinder, denen die Eltern die Welt sind. So betet.

So also sollen wir beten. Und natürlich wird die Stimme in uns wach, die weiß, wie schwer das manchmal ist mit solchem unbedingten Vertrauen, mit solcher völligen Hingabe an Gott. Gerade dann, wenn der Weg nicht absehbar ist, sondern verschwommen. Gerade dann, wenn man sich alleingelassen fühlt und den Eindruck hat, Gott ist verreist. Keiner da, der antwortet.

Oder keiner da, der so antwortet, wie ich das will, unbedingt haben muss. "Will ich mit der Tante, beschützt er die Nichte. Zerwerf ich die Scheibe, er handelt mit Kitt!", sagt Günther Grass in einem seiner Gedichte.

Nicht immer ist die Antwort Gottes die, die ich mir wünsche, nicht immer ist der Empfang so prompt, wie mir das unabdingbar scheint. Manche Tür bleibt erstmal zu, egal wie lange ich klopfe.

Und dann? Was ist dann?

Wie geht das, wenn die Einsamkeit Raum greift und die Angst einzieht in das Haus meines Lebens, wenn es ans Eingemachte geht und scheinbar gar nichts hilft und Gott nicht da zu sein scheint, scheinbar unbeeindruckt bleibt von meinem Wohl und Wehe?

Rogate! Dann betet, sagt Jesus.

Dann bleibt dran. Dann werdet so unverschämt wie dieser Freund, der sich nicht abwimmeln lässt, so dreist wie die bittende Witwe aus einem anderen Gleichnis Jesu.

Dann gebt nicht auf!

Dann belehnt Eure Hoffnung, nehmt die alten Verheißungen und legt sie euch als Mantra in den Mund. Gebt es nicht dahin, euer Vertrauen, selbst wenn es angefochten ist. Dann kämpft. Dann findet euch ein im Wartesaal Gottes, den jeder kennt, der den ganzen Weg mit ihm geht. Jeder hat sein Gethsemane und jedem ist sein Ostern verheißen. Der dritte Tag wird kommen, die Morgenröte einen neuen Anfang ankündigen. Wie Jacob, der mit Gott selber ringt, verkleidet in den Aufzug eines Angreifers und im Lichte des neuen Morgens einen Engel in dem erkennt, der mit ihm ringt. Und als er gehen will, da hält Jakob ihn fest und sagt: "Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn!" Und er bekommt schließlich seinen Segen.

Gebt nicht eher auf bis ihr den Segen, der allen Dingen innewohnt, gefunden habt. Betet um Mut für den Weg, gerade dann, wenn es dunkel ist und der nächste Schritt nicht zu sehen. Betet um Trost, wenn ihr trauert und nicht mehr weiter wisst. Betet um Kraft und Zuversicht, wenn ihr zu verzweifeln droht, für Gerechtigkeit in Unrecht, für Wahrheit und Wahrhaftigkeit unter uns und für den Frieden für die Welt, den wir brauchen wie Brot. Bittet unseren Vater im Himmel um den Heiligen Geist. Der selber in Euch beten wird. Der selber mit unaussprechlichem Seufzen für Euch eintreten wird und die Tür öffnen, die Antwort wagen, uns schenken wird, was wir brauchen. Nicht immer das, was wir wollen, aber das, was wir brauchen.

Rogate! "Betet", sagt Jesus.

Und weiter: Ich sage Euch auch: Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan.

Amen.

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