Bundeskanzlerin Merkel: "Luther hat die Welt für immer verändert"

12.11.2017

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Bedeutung der Reformation hervorgehoben. Die Reformation sei die treibende Kraft zur Entwicklung des Kontinents gewesen, sagte die Bundeskanzlerin bei einem staatlichen Festakt zum 500. Reformationsjubiläum in Wittenberg. Martin Luther habe mit der Veröffentlichung seiner Thesen einen Stein ins Rollen gebracht, "der die Welt für immer veränderte". (weiterlesen)

Der Rapper Blumig zum Thema Religion

10.11.2017

Der Rapper Blumio hat sich an das Thema Religion gewagt. Er geht keine großen Umwege, sondern steuert direkt das Thema an. Und was dabei herausgekommen ist, das ist anschlussfähig an gute liberale Religionsauffassungen.
Der Clip steigt ein mit Bildern von Nachrichten, Mitschnitten über Terror und seine Bekämpfung. Blumio tritt singend auf. Er befindet sich in Jerusalem, die Stadt ist im Hintergrund immer da. Blumio sucht verschiedene heilige Stätten auf. Am Ende des Clips sind Menschen verschiedener Religionen mit dem Victory-Zeichen zu sehen.  Blumio erzählt, wie es sich mit der Religion in seinem  Leben entwickelt hat

Hamburger Reformation

27.10.2017

Der Beginn der Reformation liegt zwar in Wittenberg: Am 31. Oktober vor 500 Jahren veröffentlichte Martin Luther dort seine 95 Thesen. Doch vieles veränderte sich durch die Reformation, auch in unserer Stadt – Politik und Wirtschaft, Wissenschaft und Bildung, Kunst und Kultur, das soziale Miteinander. Die Kirche hat eine Site zusammengestellt, die das besondere Hamburger Format und die Spuren zeigen, die die Reformations bis heute bei uns hinterlassen hat. hamburger-reformation.de

Bitte um Spenden für Parents Circle

21.10.2017

Der Israeli Nir Oren verlor seine Mutter bei einem Selbst­mord attentat, der Palästinenser Wajih Tmeizi erlebte den gewaltsamen Tod seines damals 13­jährigen Bruders durch einen israelischen Soldaten.

Diese Mitglieder des Parents Circle Families Forum besuchten uns im Juni. Mit wenig Zeit kamen sie, um uns als Freunde zu sehen, aber auch, um unsere Gemeinde dringend zu bit­ten, sie weiterhin finanziell zu unterstützen.

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18. Sonntag nach Trinitatis - Epheser 5, 15-21

19.10.2014 | 10:00

Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt. Amen.

 

Das höchste und größte aller Gebote hörten wir, das Doppelgebot der Liebe. Über es hinaus soll nichts mehr gelten. Und Jesus war überzeugt, dass, wer sich daran hält, den Willen Gottes gänzlich erfüllt. Dazu sind wir als Christen, sind genauso Juden und Muslime befreit. Das steht auf dem Grundstein unseres Gemeindehauses: „Gott ist der Geist; wo aber der Geist Gottes ist, da ist Freiheit“ (2 Kor 3, 17).  Befreit zur Gottes- und zur Nächstenliebe, die sich bis in die Feindesliebe hineinwagt. Das soll Leitmelodie christlichen Lebens sein. Und die müsste doch dann auch ganz froh und frei klingen, nicht schwermütig, nicht triumphierend, nicht schwülstig. Die Lieder, die ich in meiner musikalischen Ahnungslosigkeit für heute ausgesucht habe, sollen davon Ahnung geben.

 

Liebe Gemeinde,

was mir aber entgegentönt im Alltag, sind Empfehlungen und Ratschläge und Tipps. Meist habe ich nicht darum gebeten, sie schallen mir ins Ohr und treffen dann weiter drinnen auf Unmut und gereizte Nervenanspannung. Was ich schon alles gelesen, getan, gedacht, geschrieben haben solle – unbedingt! Und was mir so entgegen springt an Ratgebern, wie auch mein Leben gelingt, an Coachingprogrammen, wie auch ich Erfolg haben kann, an Weisheiten, wie auch ich zu mir selbst finden kann, das kann manchmal, mit Verlaub, geradezu nerven. Natürlich sind da manche gute Sachen bei und natürlich gibt es hochkompetente Coaches und Lebensberater und Supervisoren. Aber manchmal scheint es mir, ich stände einer „Lass dich beraten und sei dann gefälligst glücklich und erfolgreich“-Industrie gegenüber, die von einem unmündigen und unglücklichen Grundzustand meines Daseins ausgeht und von einem Optimierungsbedarf. Den gibt es natürlich immer – mehr bewegen, mehr reden, mehr Zeit für dich selbst, mehr machen, mehr lachen, mehr nachdenken, mehr Stille. „Mehr“ geht irgendwann nicht mehr, „Mehr“ macht unfrei.

 

„»Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der Herr allein, und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und von allen deinen Kräften«.

»Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst« (3.Mose 19,18). Es ist kein anderes Gebot größer als diese“ (Mk 12, 29-31). Einladung Jesu zum Leben.

 

Aber selbst den neutestamentlichen Schriftstellern reichte das nicht. Die Lebensführung eines Christenmenschen solle doch ganz bestimmten Vorschriften und Geboten unterliegen. Und so heißt es im Epheserbrief:

„So seht nun sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt, nicht als Unweise, sondern als Weise, und kauft die Zeit aus; denn es ist böse Zeit. Darum werdet nicht unverständig, sondern versteht, was der Wille des Herrn ist. Und sauft euch nicht voll Wein, woraus ein unordentliches Wesen folgt, sondern lasst euch vom Geist erfüllen. Ermuntert einander mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern, singt und spielt dem Herrn in eurem Herzen und sagt Dank Gott, dem Vater, allezeit für alles, im Namen unseres Herrn Jesus Christus. Ordnet euch einander unter in der Furcht Christi“ (Epheser 5, 15-21).Gleich der nächste Satz gehört nicht mehr zum Predigttext dieses Sonntages, ist aber ein wohlgemeinter Ratschlag an die Frauen: „Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter wie dem Herrn.“ Den aber können wir noch finden in den Texten zur Eheschließung – ein anderes Thema …

Das also soll es sein: sorgfältige Lebensführung nach dem Willen Gottes, ein ordentliches Wesen, das dem Wein entsagt und stattdessen Psalmen und Loblieder singt.

Sorgfältig, ordentlich, enthaltsam, dankbar und sich in alldem unterordnend. Diesen Eindruck sollen Menschen von den Christen haben. Mit dem Evangelium frage ich diesen Text an: War Jesus so – ordentlich, enthaltsam, sich stets den anderen unterordnend? Welchen Eindruck er auch auf Zeitgenossen machen konnte, ist uns überliefert. Lukas schreibt: „Siehe, dieser Mensch ist ein Fresser und Weinsäufer, ein Freund der Zöllner und Sünder!“ (Lk 7, 34).

Jesus hat Anstoß erregt, gerade bei den ordentlichen Leuten. Für das Reich Gottes nimmt er das Bild vom großen Festmahl, zu dem Gott einlädt, auf der Hochzeit zu Kana verwandelt er Wasser in Wein, damit weitergefeiert werden kann.

Und er sagt den ordentlichen Leuten, worauf es ankommt. Denn er war zu Gast bei Simon, einem Pharisäer. Die Pharisäer führten gewiss ein ordentliches Leben, hielten die vielen damals gültigen jüdischen Gesetze sorgfältig ein, waren enthaltsam und dankbar dafür. Und nun kommt eine, so wird sie genannt, große Sünderin ins Haus des Simon, geht zu Jesus, weint, salbt ihm die Füße, trocknet sie mit ihrem Haar. Simon kann nicht verstehen, wie Jesus sich von einer solchen Frau überhaupt berühren lässt. Doch der sagt zu ihm: „Ihre vielen Sünden sind vergeben, denn sie hat viel Liebe gezeigt, wem aber wenig vergeben wird, der liebt wenig“. Kein Wort von dem unordentlichen Lebenswandel, den die Frau wohl als Hure geführt hat, aber eine große Anfrage an den ordentlichen Lebenswandel des Pharisäers. Er muss sich fragen lassen, ob er denn mit seiner ganzen Ordentlichkeit noch lieben kann.

„Der Mensch ist … ein Medium der Offenbarung göttlicher Liebe und Barmherzigkeit, wenn er anderen ihre Fehler vergibt. Jeder Einzelne muss ja immer wieder erfahren, dass er nicht von Sünden frei ist. Seine Bereitschaft zur Vergebung ist eine Antwort auf diese Erfahrung. Die barmherzige Nächstenliebe erreicht ihren Höhepunkt daher … in der Vergebungsbereitschaft der Feindesliebe“ (M. Khorchide, Islam ist Barmherzigkeit, 113). So heißt es in religiöser Weite bei Mouhanad Khorchide.

Natürlich sind Sorgfalt, ein ordentliches Wesen, Enthaltsamkeit, Dankbarkeit und Demut Tugenden, mit denen sich durchaus auch ein Christ kleiden kann und soll, solange sie denn an der Liebe zu Gott und dem Nächsten ausgerichtet sind und nicht an Angst und Pedanterie, Schuldgefühlen oder Gehorsam.

Dazu bedarf es eines gewissen Geistes. „…lasst euch vom Geist erfüllen“, heißt es im Predigttext. Und damit lässt sich dann wohl auch die Zeit auskaufen, ein ungewöhnliches Wortbild. Denn eher ist es ja umgekehrt: wir verkaufen unsere Zeit, haben keine Zeit mehr und sitzen so in einem Zug der Zeit, aus dem auszusteigen fasst unmöglich scheint. Die Richtung ist vorgegeben.

Ich erinnere an die Geschichte vom kleinen Prinzen, der den Weichensteller trifft und ihn fragt, was er zu tun habe. »„Ich sortiere die Reisenden nach Tausenderpaketen“, sagte der Weichensteller. „Ich schicke die Züge, die sie fortbringen, bald nach rechts, bald nach links.“ Und ein lichterfunkelnder Schnellzug, grollend wie der Donner, machte das Weichenstellerhäuschen erzittern.

„Sie haben es sehr eilig“, sagte der Kleine Prinz. „Wohin wollen sie?“ „Der Mann von der Lokomotive weiß es selbst nicht“, sagte der Weichensteller. Und ein zweiter blitzender Schnellzug donnerte vorbei, in entgegengesetzter Richtung. „Sie kommen schon zurück?“, fragte der kleine Prinz … „Das sind nicht die gleichen“, sagte der Weichensteller. „Das wechselt.“ „Waren sie nicht zufrieden dort, wo sie waren?“ „Man ist nie zufrieden dort, wo man ist“, sagte der Weichensteller. Und es rollte der Donner eines dritten funkelnden Schnellzuges vorbei. „Verfolgen diese die ersten Reisenden?“, fragte der kleine Prinz. „Sie verfolgen gar nichts“, sagte der Weichensteller. „Sie schlafen da drinnen oder sie gähnen auch.“« (A. de Saint-Exupery, Der kleine Prinz, 58 f.).

Ein Leben wie auf Schienen, die Weichen werden von anderen gestellt, die Richtung von anderen bestimmt. Für einen selbst bleibt der Schlaf, die Langeweile, die Flucht in Ablenkung oder Rausch. „Sie schlafen da drinnen oder sie gähnen auch“ – in diesem Zug der Zeit.

„Kauft die Zeit aus … lasst euch vom Geist erfüllen!“ Aussteigen aus dem Zug, umblicken, die Richtung überprüfen. Wie das geht? Ich werde mich hüten, jetzt Ratschläge zu geben, aber ich könnte Ihnen einen guten Coach nennen…

Im Ernst, liebe Gemeinde, wir machen es gerade. Wir haben uns Zeit genommen, atmen durch, füllen Herz und Geist mit Dankliedern, kaufen einmal für eine Stunde die Zeit aus, lassen uns anrühren von der Nähe Gottes, pflegen Gemeinschaft.

Es kann nicht darum gehen, konkrete Verhaltensregeln für Christen vorzugeben. Und ich wehre mich dagegen, wenn jemand mir sagen wolle, was ich als Christ tun dürfe und was nicht. Und mehr noch wehre ich mich gegen das Hundertprozentige und die Hundertprozentigen: stets von Gottes Geist erfüllt, stets der bösen Zeit voraus, stets allezeit für alles Gott dankend und stets auf der richtigen Seite.

Mit dem Verfasser des Buches „Der kleine Prinz“ bete ich um die Kunst der kleinen Schritte:

Die Kunst der kleinen Schritte
Antoine de Saint-Exupéry

Ich bitte nicht um Wunder und Visionen, Herr, sondern um die Kraft für den Alltag. Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte.

Mach mich sicher in der rechten Zeiteinteilung.
Schenk’ mir das Fingerspitzengefühl, um herauszufinden, was erstrangig und was zweitrangig ist.

Schenk’ mir die nüchterne Erkenntnis, dass Schwierigkeiten, Niederlagen, Misserfolge, Rückschläge eine selbstverständliche Zugabe zum Leben sind, durch die wir wachsen und reifen.

Erinn’re mich daran, dass das Herz oft gegen den Verstand streikt.

Schick’ mir im rechten Augenblick jemanden, der den Mut hat, die Wahrheit in Liebe zu sagen.

Du weißt, wie sehr wir der Freundschaft bedürfen. Gib dass ich diesem schönsten, schwierigsten, riskantesten und zartesten Geschenk des Lebens gewachsen bin.

Verleihe mir die nötige Phantasie, im rechten Augenblick ein Päckchen Güte mit oder ohne Worte an der richtigen Stelle abzugeben.

Bewahre mich vor der Angst, ich könnte das Leben versäumen.

Gib mir nicht, was ich mir wünsche, sondern das, was ich brauche.

Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte. Amen.

 

 

 

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