31. Juli 2014

Artemis

Während seines Pariser Aufenthaltes ging Rilke täglich um die Mittagszeit in Begleitung einer jungen Französin an einer alten Bettlerin vorbei. Stumm und unbeweglich saß die Frau da und nahm die Gaben der Vorübergehenden ohne jedes Anzeichen von Dankbarkeit entgegen. Der Dichter gab ihr zur Verwunderung seiner Begleiterin, die selbst immer eine Münze bereit hatte, nichts.
Vorsichtig darüber befragt, sagte er: "Man müßte ihrem Herzen schenken, nicht ihrer Hand."
An einem der nächsten Tage erschien Rilke mit einer wundervollen, halberblühten Rose. Ah, dachte das Mädchen, eine Blume für mich, wie schön! Aber er legte die Rose in die Hand der Bettlerin.
Da geschah etwas Merkwürdiges: Die Frau stand auf, griff nach seine Hand, küßte sie und ging mit der Rose davon. Eine Woche lang blieb sie verschwunden. Dann saß sie wieder auf ihrem Platz, stumm, starr wie zuvor.
"Wovon mag sie die ganzen Tage über gelebt haben?"
Rilke antwortete: "Von der Rose!"

Rainer Maria Rilke

30. Juli 2014

Kopf an Kopf

Gott, zu dir rufe ich in der Frühe des Tages.
Hilf mir beten und meine Gedanken sammeln zu dir; ich kann es nicht allein.
In mir ist es finster, aber bei dir ist das Licht;
ich bin einsam, aber du verläßt mich nicht;
ich bin kleinmütig, aber bei dir ist die Hilfe;
ich bin unruhig, aber bei dir ist der Friede;
in mir ist Bitterkeit, aber bei dir ist die Geduld;
ich verstehe deine Wege nicht, aber du weißt den Weg für mich.

Morgengebet im Gefängnis - Dietrich Bonhoeffer

29. Juli 2014

ein Weg in ein "neues" Land

Glauben - was ist das?

ein gesang
in der nacht

worte die wärmen
im winter

das heilkraut
des lachens

ein weinen
das versteinerte löst

beherztheit
die über mutlose kommt

erwartung
selbst noch im sterben

Kurt Marti

28. Juli 2014

HimmelsPromenade

Bitte

Wir werden eingetaucht
und mit dem Wasser der Sintflut gewaschen,
wir werden durchnässt
bis auf die Herzhaut.

Der Wunsch nach der Landschaft
diesseits der Tränen
taugt nicht,
der Wunsch, den Blütenfrühling  zu halten.
der Wunsch, verschont zu bleiben,
taugt nicht.

Es taugt die Bitte,
dass bei Sonnenaufgang die Taube,
den Zweig vom Ölberg bringe.
Dass die Frucht so bunt wie die Blüte sein,
dass noch die Blätter der Rose am Boden
eine leuchtende Krone bilden.

Und dass wir aus der Flut,
dass wir aus der Löwengrube
und dem feurigen Ofen
immer versehrter und immer heiler
stets von neuem
zu uns selbst
entlassen werden.

Hilde Domin (1909-2006)
Aus: Der Baum blüht trotzdem, S. Fischer Verlag, Frankfurt 1999

 

27. Juli 2014

Gewitterwolken am Morgen

Herr, du hast uns geschaffen,
und unser Herz ist unruhig, bis es Ruhe findet in dir.

Dein ist das Licht des Tages.
Dein ist das Dunkel der Nacht.
Das Leben ist dein und der Tod.
Ich selbst bin dein und bete dich an.

Laß mich ruhen in Frieden,
segne den kommenden Tag und laß mich erwachen, dich zu rühmen.
Amen.

Augustinus

26. Juli 2014

Die Schaarhörn

Herr, unsere Erde ist nur ein kleines Gestirn im großen Weltall.
An uns liegt es, daraus einen Planeten zu machen,
dessen Geschöpfe nicht von Kriegen gepeinigt werden,
nicht von Hunger und Furcht gequält,
nicht zerrissen in sinnlose Trennung nach Rasse, Hautfarbe und Weltanschauung.

Gib uns den Mut und die Voraussicht,
schon heute mit diesem Werk zu beginnen,
damit unsere Kinder und Kindeskinder
einst mit Stolz den Namen Mensch tragen.
Amen.


Gebet der Vereinten Nationen

25. Juli 2014

Einfahrt

Der Pastor einer Gemeinde war ziemlich verärgert. Er hatte einen älteren Gottesdienstbesucher, der regelmäßig während der Predigt einschlief. An einem Sonntag nach dem Gottesdienst sprach er schließlich den Enkelsohn des Mannes an. Der Junge saß nämlich immer neben seinem Opa. Er sagte zu ihm: „Wenn du deinen Opa während des Gottesdienstes wach halten kannst, dann zahle ich dir einen Euro pro Woche.“
Das funktionierte auch zwei Wochen lang sehr gut. Der alte Mann war wach und hörte aufmerksam der Predigt zu.
Am dritten Sonntag änderte sich das aber wieder. Der Großvater nickte wieder auf seiner Kirchenbank ein.
Nach dem Gottesdienst sprach der Pastor natürlich mit dem Enkel: „Heut bin ich aber enttäuscht von dir. Hast du nicht versprochen, deinen Opa wach zu halten?“
Der Junge antwortete: „Ja schon, aber Opa gibt mir jetzt fünf Euro pro Woche, wenn ich ihn nicht mehr aufwecke.“

 

(unten: Stadt - Land - Fluß - und immer wieder "Himmlisches")

24. Juli 2014

Einfahrt

Buch von Anni Dyck


Gute Worte

sind Bäume

ins Erdreich des Herzens

gepflanzt

23. Juli 2014

Der Blankeneser Kirchenweg wächst zu...

O Herr,
mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens,
daß ich Liebe übe, wo man sich haßt,
daß ich verzeihe, wo man sich beleidigt,
daß ich verbinde, da, wo Streit ist,
daß ich die Wahrheit sage, wo der Irrtum herrscht,
daß ich den Glauben bringe, wo der Zweifel drückt,
daß ich die Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält,
daß ich ein Licht anzünde, wo die Finsternis regiert,
daß ich Freude mache, wo der Kummer wohnt.

Herr, laß du mich trachten:
nicht, daß ich getröstet werde,
sondern daß ich tröste;
nicht, daß ich verstanden werde,
sondern daß ich verstehe;
nicht, daß ich geliebt werde,
sondern daß ich liebe.
Denn wer da hingibt, der empfängt;
wer sich selbst vergißt, der findet;
wer verzeiht, dem wird verziehen;
und wer stirbt, erwacht zum ewigen Leben.

Franz von Assisi zugeschrieben

22. Juli 2014

Spuren im Sand

O Herr,
in deinen Armen bin ich sicher.
Wenn du mich hältst,
habe ich nichts zu fürchten.
Ich weiß nichts von der Zukunft,
aber ich vertraue auf dich.

Frank von Assisi

21. Juli 2014

ein Wort zum "Montag"

Verleihe uns, o Herr,
daß die Ohren, die deinen Lobpreis gehört haben,
verschlossen seien für die Stimme des Streites und des Unfriedens;
daß die Augen, die deine große Liebe gesehen haben,
auch deine selige Hoffnung schauen;
daß die Zungen, die dein Lob gesungen haben,
hinfort die Wahrheit bezeugen;
daß die Füße, die in deinen Vorhöfen gestanden haben,
hinfort gehen auf den Wegen des Lichtes;
und daß die Leiber, die an deinem lebendigen Leibe Anteil gehabt haben,
in einem neuen Leben wandeln.
Dir sei Dank für deine unaussprechliche Gabe.

Indien, 5. Jhdt. - Malabar-Liturgie

20. Juli 2014

Stufen

ein Gebet - in Erinnerung an den 20. Juli 1944

In den Tiefen, die kein Trost erreicht,
laß doch deine Treue mich erreichen.
In den Nächten, wo der Glaube weicht,
laß nicht deine Gnade von mir weichen.
Auf dem Weg, den keiner mit mir geht,
wenn zum Beten die Gedanken schwinden,
wenn mich kalt die Finsternis umweht,
wollest du in meiner Not mich finden.
Wenn die Seele wie ein irres Licht
flackert zwischen Werden und Vergehen,
wenn es mir an Trost und Rat gebricht,
wollest du an meiner Seite stehen.
Wenn ich deine Hand nicht fassen kann,
nimm die meine du in deine Hände,
nimm dich meiner Seele gnädig an,
führe mich zu einem guten Ende.

Justus Delbrück, aus einem sowjetischen Kriegsgefangenenlager

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im Kontrast... - aber es gibt eben auch das andere Programm... - die Ausfahrt der Queen gestern abend. Es ist Nacht - bitte die Stimmen ignorieren ... ein bißchen andächtig, das Unternehmen ...Lächelnd

19. Juli 2014

Herr, ich werfe meine Freude wie Vögel an den Himmel.
Die Nacht ist verflattert, und ich freue mich am Licht.
Deine Sonne hat den Tau weggebrannt
vom Gras und von unseren Herzen.
Was da aus uns kommt, was da um uns ist
an diesem Morgen, das ist Dank.

Herr, ich bin fröhlich heute am Morgen.
Die Vögel und Engel singen, und ich jubiliere auch.
Das All und unsere Herzen sind offen für deine Gnade.
Ich fühle meinen Körper und danke.
Die Sonne brennt meine Haut, ich danke.
Das Meer rollt gegen den Strand, ich danke.
Die Gischt klatscht gegen unser Haus, ich danke.

Herr, ich freue mich an der Schöpfung
und daß du dahinter bist und daneben
und davor und darüber und in uns.
Ich freue mich, Herr,
ich freue mich und freue mich.

Aus Westafrika

 

Heute morgen - s.u.: da kann Freude aufkommen, aber auch der Wunsch, allein zu sein...

18. Juli 2014

DomRosette

Spender des Lebens, gib mir Kraft,
daß ich meine Arbeit mit Überlegung tue,
getreu dem Ziel, das Leben jener zu hüten,
die meiner Versorgung anvertraut sind.

Halte rein meine Lippen von verletzenden Worten,
gib mir klare Augen, das Gute der andern zu sehen.

Gib mir sanfte Hände, ein gütiges Herz
und eine geduldige Seele.
Daß durch deine Gnade Schmerzen gelindert werden,
kranke Körper heilen, Gemüter gestärkt werden,
der Lebenswille wieder wachse.

Florence Nightingale

17. Juli 2014

rund und schön

Segen sei mit dir, der Segen strahlenden Lichtes, Licht um dich her und innen in deinem Herzen. Sonnenschein leuchte dir und erwärme dein Herz, bis es zu glühen beginnt wie ein großes Torffeuer - und der Fremde tritt näher, um sich daran zu wärmen.
Aus deinen Augen strahle gesegnetes Licht, wie zwei Kerzen in den Fenstern eines Hauses, die den Wanderer locken, Schutz zu suchen dort drinnen vor der stürmischen Nacht.
Wen du auch triffst, wenn du über die Straße gehst - ein freundlicher Blick von dir möge ihn treffen.
Und der gesegnete Regen, der köstliche, sanfte Regen ströme auf dich herab.
Die kleinen Blumen mögen zu blühen beginnen und ihren köstlichen Duft ausbreiten, wo immer du gehst.
Der Segen der Erde, der guten, der reichen Erde sei für dich da. Weich sei die Erde dir, wenn du auf ihr ruhst, müde am Ende des Tages, und leicht ruhe die Erde auf dir am Ende des Lebens, daß du sie schnell abschütteln kannst - und auf und davon auf deinem Wege zu Gott.

aus Irland

16. Juli 2014

am Ende

Gott, du weißt, daß ich altere und bald alt sein werde.
Bewahre mich davor, schwatzhaft zu werden, und besonders vor der fatalen Gewohnheit, bei jeder Gelegenheit und über jedes Thema mitreden zu wollen.
Befreie mich von der Einbildung, ich müsse anderer Leute Angelegenheiten in Ordnung bringen. Bei meinem ungeheuren Schatz an Erfahrung und Weisheit ist's freilich ein Jammer, nicht jedermann daran teilnehmen zu lassen. Aber du weißt, Herr, daß ich am Ende ein paar Freunde brauche!
Ich wage nicht, dich um die Fähigkeit zu bitten, die Klagen meiner Mitmenschen über ihre Leiden mit nie versagender Teilnahme anzuhören.
Hilf mir nur, sie mit Geduld zu ertragen, und versiegele meinen Mund, wenn es sich um meine eigenen Kümmernisse und Gebrechen handelt. Sie nehmen zu mit den Jahren und meine Neigung, sie aufzuzählen, wächst mit ihnen.
Ich will dich auch nicht um ein besseres Gedächtnis bitten, nur um etwas mehr Demut und weniger Selbstsicherheit, wenn meine Erinnerung nicht mit der anderer übereinstimmt.
Schenke mir die wichtige Einsicht, daß ich gelegentlich irren kann.
Hilf mir, einigermaßen milde zu bleiben.
Mach mich teilnehmend, aber nicht sentimental, hilfsbereit, aber nicht aufdringlich.
Gewähre mir, daß ich Gutes finde, wo ich es nicht vermutet hätte. Und schenke mir, Herr, die Liebenswürdigkeit, es ihnen zu sagen. Amen.

Gebet einer unbekannten Äbtissin

15. Juli 2014

AufBlick

Schenke mir eine gute Verdauung, Herr,
und auch etwas zum Verdauen.

Schenke mir Gesundheit des Leibes
mit dem nötigen Sinn dafür,
ihn möglichst gut zu erhalten.

Schenke mir eine Seele,
der die Langeweile fremd ist,
die kein Murren kennt und kein Seufzen und Klagen,
und laß nicht zu,
daß ich mir allzuviel Sorge mache
um dieses sich breit machende Etwas,
das sich »Ich« nennt.

Herr, schenke mir Sinn für Humor,
gib mir die Gnade, einen Scherz zu verstehen,
damit ich ein wenig Glück kenne im Leben
und anderen davon mitteile.


Thomas Morus

14. Juli 2014

ein kleines Segelschiffchen
Weltmeister

Gott gebe mir die Gelassenheit,
Dinge hinzunehmen,
die ich nicht ändern kann;

den Mut,
Dinge zu ändern,
die ich ändern kann;

und die Weisheit,
das eine vom anderen zu unterscheiden.


Thomas Morus

... und immer wieder mal solch eine Gelegenheit, die Gelassenheit mit Ausgelassenheit zu tauschen.
Der Weltmeistertitel läßt grüßen

13. Juli 2014

ein kleines Segelschiffchen
Maueranker

Möge dein Weg dir freundlich entgegenkommen,
Wind dir den Rücken stärken,
Sonnenschein deinem Gesicht viel Glanz und Wärme geben.

Der Regen möge deine Felder tränken,
und bis wir beide, du und ich, uns wiedersehen,
halte Gott schützend dich in seiner hohlen Hand.

Gott möge bei dir auf deinem Kissen ruhen,
dich schützend in seiner hohlen Hand halten.
Deine Wege mögen dich aufwärts führen,
freundliches Wetter begleite dir deinen Schritt.

Wind stärke dir deinen Rücken -
und mögest du vierzig Jahre im Himmel sein,
wenn der Teufel bemerkt, daß du fort bist.


aus Irland

12. Juli 2014

ein kleines Segelschiffchen
die Libelle über dem Wasser

Eine Libellenlarve hat immer wieder den unwiderstehlichen Drang nach oben, um neue Luft zu schöpfen.
Der Blutegel sagt zu ihr: "Hab' ich vielleicht jemals das Bedürfnis nach dem, was du Himmelsluft nennst?"
"Ach", erwiderte die Libellenlarve, "ich hab' nun einmal die Sehnsucht nach oben. Ich versuchte auch schon einmal, an der Wasseroberfläche nach dem zu schauen, was darüber ist. Da sah ich einen hellen Schein, und merkwürdige Schattengestalten huschten über mich hinweg. Aber meine Augen müssen wohl nicht geeignet sein für das, was über dem Teich ist. Aber wissen möcht ich's doch!"
Der Blutegel krümmte sich vor Lachen: "0 du phantasievolle Seele, du meinst, über dem Tümpel gibt es noch was? Laß doch diese Illusionen. Glaub' mir als einem erfahrenen Mann: Ich hab' den ganzen Tümpel durchschwommen. Dieser Tümpel ist die Welt - und die Welt ist ein Tümpel. Und außerhalb dessen ist nichts!"
"Aber ich hab' doch den Lichtschein gesehen und Schatten!?" wandte die Larve ein.
"Hirngespinste! Was ich fühlen und betasten kann, das ist das Wirkliche", erwiderte der Blutegel.
Aber es dauerte nicht lange, bis sich die Libellenlarve aus dem Wasser herausschob. Flügel wuchsen ihr und sie ließ den Blutegel zurück. Sie schwebte schimmernd über den niedrigen Tümpel davon.
Goldenes Sonnenlicht und blauer Himmelsschein umspülten sie...

eine Osterfabel

11. Juli 2014

eine geschlossene Gesellschaft
AufWachsen

Manchmal stehen wir auf
Stehen wir zur Auferstehung auf
Mitten am Tage
Mit unserem lebendigen Haar
Mit unserer atmenden Haut.

Nur das Gewohnte ist um uns
Keine Fata Morgana von Palmen
Mit weidenden Löwen
Und sanften Wölfen.

Die Weckuhren hören nicht auf zu ticken
Ihre Leuchtzeiger löschen nicht aus.

Und dennoch leicht
Und dennoch unverwundbar
Geordnet in geheimnisvolle Ordnung
Vorweggenommen in ein Haus aus Licht


Marie Luise Kaschnitz

10. Juli 2014

eine geschlossene Gesellschaft
Schönheit

Vor seinem Tode sagte Rabbi Sussja:

"Wenn ich vor dem himmlischen Gericht erscheine,
wird man mich nicht fragen,
warum ich nicht Abraham, Jakob oder Moses war;

man wird mich fragen,
warum ich nicht Sussja war."


Chassidische Tradition

9. Juli 2014

eine geschlossene Gesellschaft
kleine Schritte

Ich bitte nicht um Wunder und Visionen, Gott, sondern um die Kraft für den Alltag.
Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte.
Mach mich griffsicher in der richtigen Zeiteinteilung.
Schenke mir das Fingerspitzengefühl, um herauszufinden, was erstrangig und was zweitrangig ist.
Erinnere mich daran, dass das Herz oft gegen den Verstand streikt.
Schicke mir im rechten Augenblick jemand, der den Mut hat, die Wahrheit in Liebe zu sagen.
Du weißt, wie sehr wir der Freundschaft bedürfen. Gib, dass ich diesem schönsten, schwierigsten, riskantesten und zartesten Geschenk des Lebens gewachsen bin.
Verleihe mir die nötige Phantasie, im rechten Augenblick ein Päckchen Güte, mit oder ohne Worte, an der richtigen Stelle abzugeben.
Bewahre mich vor der Angst, ich könnte das Leben versäumen.
Gib mir nicht, was ich mir wünsche, sondern das, was ich brauche.
Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte!


Antoine de Saint-Exupéry

8. Juli 2014

eine geschlossene Gesellschaft
Aufgabe: Türen öffnen!


Mag sein,
daß der jüngste Tag morgen anbricht,
dann wollen wir gern die Arbeit für eine bessere Zukunft aus der Hand legen,
vorher aber nicht.

Dietrich Bonhoeffer

7. Juli 2014

Rosette

Unsere tiefste Angst ist nicht, dass wir unzulänglich sind,
unsere tiefste Angst ist, dass wir unermesslich machtvoll sind.
Es ist unser Licht, das wir fürchten, nicht unsere Dunkelheit.
Wir fragen uns: “Wer bin ich eigentlich, dass ich leuchtend, begnadet,
phantastisch sein darf?“
Wer bist du denn, es nicht zu sein?
Du bist ein Kind Gottes.
Wenn du dich klein machst, dient das der Welt nicht.
Es hat nichts mit Erleuchtung zu tun, wenn du schrumpfst,
damit andere um dich herum, sich nicht verunsichert fühlen.

Wir wurden geboren, um die Herrlichkeit Gottes zu verwirklichen, die in uns ist.
Sie ist nicht nur in einigen von uns, sie ist in jedem Menschen.
Und wenn wir unser eigenes Licht erstrahlen lassen,
geben wir unbewusst anderen Menschen die Erlaubnis, dasselbe zu tun.
Wenn wir uns von unserer eigenen Angst befreit haben,
wird unsere Gegenwart ohne unser Zutun andere befreien.

Nelson Mandela, Auszug seiner Antrittsrede 1994

6. Juli 2014

Rosette

Eine junge Frau betrat im Traum einen Laden. Hinter dem Tisch stand ein Händler, der im Dämmerlicht irgendwie fremd wirkte. Mühsam verbarg er zwei Flügel unter seinem lichtweißen Hemd. Das Regal war bis unter die Decke mit Tüten und Schachteln vollgestellt. Im Halbdunkel konnte sie nicht sehen, was in den zahllosen Tüten und Schachteln war.
Neugierig fragte sie den Händler: „Was verkaufen Sie, mein Herr?“
Der Engel antwortete freundlich: „Alles, was Sie wünschen! Das, wonach Sie sich sehnen, was Sie froh machen kann, was Sie schon nicht mehr hofften: alles biete ich an.“
Da beeilte sich die Frau, ihre Wünsche aufzusagen: „Für meine neugeborene Tochter wünsche ich mir, daß die Luft, die sie atmet, frei von Gift ist. Und kein Krieg. Sie soll in Frieden aufwachsen. Ja, Frieden, vor allem Frieden! Frieden auf dem Balkan, bitte. Und einen Schuldenerlaß für die 3. Welt.“
Als sie Luft holte, unterbrach sie der Engel:
„Kleinen Moment. Sicher haben Sie mich falsch verstanden. Wie ich höre, wollen Sie Früchte von mir. Ach, nein, nein, ich verkaufe keine Früchte! Nur den Samen dafür.“


nach Gerhard Schöne

5. Juli 2014

Farbenpracht

Der Ursprung aller Konflikte
zwischen mir und meinen Mitmenschen ist,
dass ich nicht sage, was ich meine,
und dass ich nicht tue, was ich sage.


Martin Buber (1878-1965), jüd. Religionsforscher u. -philosoph

 

4. Juli 2014

das Leben ins rechte Licht rücken (trotz oder mit Fußball)

Lass mich langsamer gehen, Gott.
Entlaste das eilige Schlagen meines Herzens
durch das Stillewerden meiner Seele.

Lass meine hastigen Schritte stetiger werden
mit dem Blick auf die Weite der Ewigkeit.
Gib mir inmitten der Verwirrung des Tages
die Ruhe der ewigen Berge.

Löse die Anspannung meiner Nerven und Muskeln
durch die sanfte Musik der singenden Wasser,
die in meiner Erinnerung lebendig sind.
Lass mich die Zauberkraft des Schlafes erkennen, die mich erneuert.

Lehre mich die Kunst des freien Augenblicks.
Lass mich langsamer gehen,
um eine Blume zu sehen,
ein paar Worte mit einem Freund zu wechseln, einen Hund zu streicheln,
ein paar Zeilen in einem Buch zu lesen.

Lass mich langsamer gehen, Gott,
und gib mir den Wunsch,
meine Wurzeln tief
in den ewigen Grund zu senken,
damit ich emporwachse
zu meiner wahren Bestimmung.

aus Südafrika

3. Juli 2014

Torhüter

Herr, erwecke deine Kirche
und fange bei mir an.
Herr, baue deine Gemeinde auf
und fange bei mir an.
Herr, laß  Frieden und Gotteserkenntnis
überall auf Erden kommen
und fange bei mir an.
Herr, bringe deine Liebe und Wahrheit
zu allen Menschen
und fange bei mir an.

aus China

2. Juli 2014

im Licht

Ein europäischer Biologe hatte für eine Himalaja-Expedition eine Gruppe indischer Träger angeheuert. Der Forscher war in großer Eile, denn er wollte schnell an sein Ziel kommen. Nachdem die Gruppe den ersten großen Pass überschritten hatte, erlaubte er ihnen eine kurze Rast. Nach einigen Minuten rief er aber wieder zum Aufbruch. Die indischen Träger blieben aber einfach auf dem Boden sitzen, als hätten sie ihn gar nicht gehört. Sie schwiegen und ihr Blick war zu Boden gerichtet. Als der Forscher die Inder schärfer aufforderte, weiterzugehen, schauten ihn einige von ihnen verwundert an.
Schließlich sagte einer: "Wir können nicht weitergehen. Wir müssen warten, bis unsere Seelen nachgekommen sind."

aus Indien

1. Juli 2014

Auch wenn ich wüßte,
dass morgen die Welt zugrunde geht
würde ich heute noch
einen Apfelbaum pflanzen.

Martin Luther zugeschrieben