3. Schülerkongress - Flüchtlinge: Ursachen und Herausforderungen

-

2. Februar 2016 | Gemeindehaus der Blankeneser Kirche am Markt
Eine Veranstaltung des Zukunftsforums Blankenese in Zusammenarbeit mit den Schulen am Ort

Vielerlei Aspekte des Flüchtlingszustroms und Wege zur Integration werden Kinder und Jugendliche aus fünf Blankeneser Schulen sowie gleichaltrige Flüchtlingskinder beim 3. Schülerkongress des Zukunftsforums gemeinsam beschäftigen. Sie werden einander kennenlernen und sich austauschen. Vorträge bieten den Teilnehmenden, vornehmlich Schülerinnen und Schüler der Klassen 7 bis 9, Gelegenheit, sich zu informieren und einen Standpunkt zu beziehen.

Dr. Margret Johannsen, Nahost-Expertin am Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg, wird über die Flucht-Ursachen sprechen.

Helga Rodenbeck, Flüchtlingsberaterin der ev. Luth. Gemeinde Blankenese, wird darstellen, wie Asylsuchende in den Elbvororten untergebracht werden und wie die Zuteilung auf Unterkünfte funktioniert. Gemeinsam mit Pastor Klaus Poehls leitet sie den Runden Tisch Blankenese, der sich seit langem gemeinsam mit vielen Ehrenamtlichen für ein faires Miteinander zwischen Flüchtlingen und den Menschen hier bei uns einsetzt, insbesondere in der Unterkunft.Sieversstücken.

Vera Klischan, langjährige Leiterin der Gorch-Fock-Schule und Mitglied im Zukunftsforum, berichtet über Herausforderungen für die Schulen: Wie können SchülerInnen und LehrerInnen geflüchteten Kindern dabei helfen, Anschluss an das hiesige Bildungssystem zu bekommen?

Neben der Kopfarbeit stehen gemeinsames Trommeln unter Leitung von Thomas Himmel (Bandboxx) und Plakatgestalten auf dem Programm – und zum Abschluss ein Mittagessen: Die Kochgruppe von Bärbel Kolozei & Team wird eine Suppe vorbereiten.

Bericht

Über 90 Schülerinnen und Schüler aus fünf Blankeneser Schulen, vorwiegend aus den Jahrgängen 7 bis 9,  füllten am Vormittag des 11. Februar den Blankeneser Gemeindesaal gemeinsam mit ihren betreuenden Lehrerinnen und Lehrern. Mittendrin, 20 Kinder und Jugendliche, die als Flüchtlinge in Hamburg angekommen sind und zurzeit IVK-Klassen an den teilnehmenden Schulen besuchen. Eingeladen hatte das Zukunftsforum Blankenese im Zuge des dritten Blankeneser Schülerkongresses zum tagesaktuellem Thema: „Flüchtlinge – Ursachen und Herausforderungen“.

Die Veranstaltung, moderiert von Anja Schattschneider (Stadtteilschule Blankenese),  eröffnete Dr. Liane Melzer, Leiterin des Bezirksamts Altona. Ganz persönlich machte sie die Jugendlichen darauf aufmerksam, welchen kulturellen Reichtum sie miteinander entdecken und erleben können. Im Anschluss sorgte Dr. Margret Johannsen, Nahost-Expertin am Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg, ausführlich und anschaulich für tiefgehendes Hintergrundwissen. Mit einem Fokus auf Syrien und Afghanistan klärte Dr. Johannsen darüber auf, welche Konflikte in den Ländern vorherrschen und welche Fluchtursachen damit einhergehen.

Ganz konkret wurde Helga Rodenbeck vom Runden Tisch Blankenese, Flüchtlingsberaterin der Gemeinde und Trägerin des Bundesverdienstkreuzes, in ihrem Beitrag. Mit viel Bildmaterial gab sie Antworten auf folgenden Fragen: Wie sieht eine typische Flucht aus? Wie leben eigentlich Flüchtlinge, wenn sie in Hamburg ankommen und wie gestaltet sich das Leben in einer Einrichtung wie Sieversstücken in Sülldorf langfristig?

Auch die Perspektive der Schüler und Lehrer sollte nicht fehlen. In einem informativen Gespräch zwischen Matthias Morgenroth-Marwedel (Schulleiter der Stadtteilschule Blankenese), der Flüchtlingsbeauftragten Teresa Schwarz (Marion-Dönhoff- Gymnasium), dessen Schülersprecher Christian Sarpey kamen neue Aspekte zur Sprache. Moderiert von Vera Klischan (ehemals Leiterin Gorch-Fock-Schule und Mitglied im Zukunftsforum), wurde darüber berichtet, welche Formen von integrativem Unterricht bestehen und welche Aktionen die Schüler selber starten, um ihre neuen Mitschüler besser kennenzulernen und ihnen die Ankunft in Deutschland zu erleichtern.

Den Abschluss der Vortragsreihe bildete ein kurzes Interview zwischen Aram Alagha, Schüler der siebten Klasse am Marion-Dönhoff-Gymnasium und seinem Lehrer Thure Timmermann. Die Fragen hierzu wurden zuvor in den Schulklassen gesammelt. Der 13-Jährige, der bereits vor vier Jahren mit seiner Familie aus Syrien geflohen ist, erzählte von seiner eigenen Fluchtgeschichte und dem Neubeginn in Deutschland. Für die Blankeneser Schüler sicherlich ein spannendes und einprägsames Gespräch. 

Im zweiten Teil der Veranstaltung wurden die Schüler nicht nur mit dem Kopf aktiv, sondern auch Hände und Füße kamen zum Einsatz. Eine Hälfte der Gruppe übte sich in der Umsetzung eines Body Percussion Stückes, unter Anleitung von Thomas Himmel vom Musikprojekt Bandboxx: Es wurde gestampft, gerappt, geschnipst, geklatscht und in die Tasten gehauen. In der unteren Etage des Gemeindehauses ging es ruhiger zu – hier machten Farben die Musik. Mit Pastellkreide und Beize entstanden ganz unterschiedliche Kunstwerke, die auch die betreuende Künstlerin und ehemalige Kunstlehrerin Irm Wundenberg begeisterten. In einer so lockeren Atmosphäre fiel der Kontakt unter den Schülern leicht und es brauchte nicht lange, bis Namen von lateinischen Schriftzeichen in arabische Schriftzeichen übersetzt wurden und daraus bunte Malereien entstanden.

Damit die Teilnehmer alle Erfahrungen teilen konnten, wechselten die Gruppen, so dass jeder einmal malte und auch musizierte. Mit einem abschließenden gemeinsamen Essen wurde zum Ende des Schülerkongresses auch noch der Geschmackssinn bedient, was dem Kochteam um Bärbel Kolozei zu verdanken ist.

Mit vollem Magen, vielseitigen Impressionen und neuen Kontakten verließen die Kinder und Jugendlichen den Gemeindesaal am Nachmittag. Sie sahen wohl mindestens so zufrieden aus wie Harris Tiddens, der als Geschäftsführer des Zukunftsforums Blankenese maßgeblich die Organisation zusammen mit den engagierten Lehrern der teilnehmenden Schulen übernommen hatte.

Eva Christine Schmitz

 

 

Ort: Gemeindehaus, Mühlenberger Weg 64 a

Zurück