Carmen Hillers: Vom Wasser

Ausstellung 14.9.-5.10.2014

Gemeindesaal

Leichtigkeit und zarte Farben bestimmen den Bilderzyklus „Vom Wasser“, eine Liebeserklärung an die Musik mit ihren Rhythmen, ständig wechselnden Harmonien und Klangfarben, und natürlich auch an den Ehemann der Malerin, den Sänger und Komponisten Steffen Wolf. Auch er hat seinerseits manche Bilder von Carmen Hillers in musikalische Kompositionen verwandelt.

Seit über hundert Jahren ist die Zusammenführung der Künste ein unerschöpfliches Thema. Für Wassili Kandinsky war die Malerei voll von Klängen, als er um 1910 seine ersten abstrakten Bilder malte und ihnen den Titel „Komposition“ gab. Und fünfzehn Jahre später wurde in Hamburg die GEDOK gegründet, eine Vereinigung von Malerinnen, Bildhauerinnen, Schriftstellerinnen und Musikerinnen, für die das Zusammenspiel der Kunstgattungen Programm ist. Und das gilt auch für Carmen Hillers, wenn sie mit ihren Künstlerkolleginnen der GEDOK und Gästen das Gemeindehaus und die Kirche mit Bildern und Musikveranstaltungen zum Klingen bringt.

Rund vierzig kleinformatige Aquarelle, oft wie hingehaucht und verschwindend im Weiß des Papiers, sind zu einer großen Wandinstallation zusammengefügt. Die ersten Blätter entstanden im Jahre 2012 an der Nordsee nach Bleistiftzeichnungen, in denen musikalische Eindrücke während verschiedener Konzertbesuche festgehalten waren. Dazu gehörte auch ein romantischer Liederabend von Steffen Wolf. Für Carmen Hillers sind in dieser Serie „Vom Wasser“, an der sie bis heute arbeitet, die Übergänge zwischen Bild und Musik fließend, die Klangfarbe einer Stimme oder eines Instrumentes und die Farbklänge innerhalb eines Bildes, die wie in der Musik zu Harmonien oder Dissonanzen zusammengefügt werden können. Und das Zusammenspiel der vierzig Blätter auf der grauen Wand ist wir ein Orchester, das in freien oder auch geordneten Rhythmen nach dem Dirigentenstab der Malerin improvisieren darf.

Doch die Geschichte geht manchmal noch weiter, wofür sich auf der schwarzen Wand drei Beispiele finden, die zur Werkgruppe der „Points“ gehören. Dort haben sich die improvisierten Eindrücke der Aquarelle zu festen Bildern in Eitempera auf Voile verdichtet. Man könnte sie mit der Notation des Komponisten vergleichen. Und so wundert es nicht, dass der Komponist Steffen Wolf einige dieser Werke als Themen für seine Kompositionen entdeckte. Und wenn diese zu den Bildern vorgetragen werden, lässt sich beides erleben: Die Flüchtigkeit der verklingenden Töne, zeitlos festgehalten in der Malerei, so wie die Barockmaler mit der Darstellung von Musikinstrumenten, deren Töne verklingen, der Vergänglichkeit Dauer verliehen.

…die Möglichkeit eines Klanges, der darin unterschieden von Musik, nicht der zeitlichen Aufeinanderfolge bedarf, sondern im Bild als Kräftespiel ständig vorhanden ist.(Steffen Wolf)

Der Kirchenraum

Mit wenigen Bildern, vier kleinen Formaten der Serie Points und einem großen Format „Vom Wasser“, erhält der sakrale Raum einen ganz besonderen Klang. Auf der rechten Kirchenwand konzentriert sich die Aussage: Die Gegenüberstellung des kleinen Bildes mit seinen kontrastreichen Formen mag für die Künstlerin die irdische Welt bedeuten, während das auf der weißen Wand fast verschwindende große Bild für das Licht steht. So wie diese Bilder mag man auch andere Werke lesen, die nie Gegenständliches abbilden. Doch sie erschöpfen sich nicht darin, eine Wand zu dekorieren. Wie die Musik im Kirchenraum sollen sie den Blick auf unsere innere Welt öffnen, indem wir den Bildern bei der Betrachtung Zeit geben, uns anzuschauen und zu berühren.                                  

Thomas Sello

 

Mi. 17. Sept., 20 Uhr Konzertabend mit GEDOK-Musikerinnen „Das Liebesverhältnis von Kunst u. Musik“,  mit Kompositionen von Steffen Wolf zu Bildern der Ausstellung.Katharina u. Klaus Hempel, Jennifer Hymer, Eberhard Hasenfratz, Thomas Sello u. Steffen Wolf spielen Werke von Steffen Wolf. Anschließend „Das Liebensverhältnis von Kunst u. Musik“: Gespräch mit Carmen Hillers, Steffen Wolf und Dieter Asmus, Maler.

Die Ausstellung findet statt in der Blankeneser Kirche am Markt (geöffnet täglich bis 18 Uhr) und im Gemeindehaus (Mo-Fr 9-12 Uhr, Di-Do 15-17 Uhr, sonntags nach dem Gottesdienst). Mühlenberger Weg 64

Gefördert durch die Hermann Reemtsma-Stiftung.

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