Albert Christoph Reck: Glaubensbrücken

Heilige Familie auf der Flucht

20. November 2015 bis 8. Januar 2016
Ausstellung in der Ev. Kirchengemeinde Blankenese, Gemeindehaus und Kirche am Markt

Albert Christoph Reck, ein „Weltenbummler“ zwischen den Kulturen, das bestimmt den Stil seiner Kunst: Die Anfänge in der Klasse von Alfred Mahlau an der Hamburger Hochschule für bildende Künste, wo er die Präzision der Linie erfuhr, gemeinsam mit Horst Janssen und vielen anderen. Gewiss gab es auch einen Kontakt zu Willem Grimm, dem Meister des Holzschnitts, bevor er in Paris die Abstraktion und die gegenstandslosen Formen und Farben erlebte.

Albert Christoph Reck wurde 1922 im oberschlesischen Krappitz an der Oder geboren. Als 16-Jähriger riss er von zu Hause aus und wurde Seemann, erst in der Handels-, später in der Kriegsmarine. Nach Kriegsende flohen die Eltern nach Flensburg, Reck machte Abitur und wollte Künstler werden. Er lernte zunächst beim Maler Hans Holtorf in Bokholmwik, 1948 wurde er an der Landeskunstschule in Hamburg angenommen und studierte u.a. bei Alfred Mahlau.

Nach Studienaufenthalten in England und Frankreich mietete Reck 1951 sein erstes Atelier auf dem Kiez, am damaligen Wilhelmsplatz, dem heutigen Hans-Albers-Platz.1952 bekam er ein Stipendium des Kulturkreises im BDI, ein Jahr später richtete ihm die Hamburger Kunsthalle seine erste Ausstellung ein. 1954 erhielt er zusammen mit Hans Kock und K.R.H. Sonderborg das Lichtwark-Stipendium. 1958 folgte eine zweite Ausstellung in der Kunsthalle.

1954 war er mit seiner Frau Maria-Louise und den ersten beiden von später insgesamt acht Kindern aufs Land nach Harckesheyde, heute ein Teil von Norderstedt, gezogen. 1961 baute er an der Alsterquelle auf dem Rhen, heute Henstedt-Ulzburg, ein Haus. Dort zeichnete er die Bilder für sein erstes und einziges Buch „Die kleine Naturkunde des Herrn Albert Christoph Reck“. Mit einem Reisestipendium des Kulturkreises im BDI fuhr er 1962 als zeichnender Stipendiat ein halbes Jahr lang auf dem Frachter „Franziska Hendrik Visser“ um Afrika herum. Er wanderte dort ins Landesinnere und fühlte sich heimischer als in Europa. Zurück in Hamburg überzeugte er seine Frau Maria-Louise, mit ihm und den fünf Kindern im Alter von ein bis sechs Jahren nach Afrika auszuwandern.

Die Recks mieteten in Johannesburg, damals von der Apartheid geprägt, ein Haus, beide unterrichteten an der deutschen Schule. Er malte zahlreiche Serien kleiner und großer Bilder und stellte in Galerien und Museen aus. Um seine Einkommenssituation als Lehrer zu verbessern, riet man Reck, eine Lehrerausbildung in Deutschland zu absolvieren. Er bekam ein Stipendium, ging 1969 nach Düsseldorf und machte dort 1970 am Städtischen Seminar für werktätige Erziehung sein Examen. Er nahm eine Stelle an der gerade gegründeten Schule für Sozialpädagogik in Hamburg an. Die Familie zog wieder in das eigene Haus auf dem Rhen, aber die Sehnsucht nach Afrika blieb.

1976 segelte Reck mit einem seetüchtigen Zweimast-Kutter mit den drei Söhnen und zwei Töchtern neun Monate lang von Kiel nach Maputo in Mozambique. An Bord eines Frachters folgten seine Frau und die drei weiteren Töchter. Sie fanden erneut in dem Johannesburger Haus eine Bleibe. 1977 wanderte die Familie nach Swasiland aus. Maria-Luise Reck eröffnete im Ezulwinital eine Teppichweberei, ihr Mann zeichnete die Entwürfe. 1979 bauten die Recks ein „Arts and Craft Center“ in Ngwenya, 1984 eröffneten sie Studios mit Werkstätten für junge Afrikaner und 1989 gründeten sie die „Endlotane Studios“, wo die in der eigenen Manufaktur hergestellten Wandteppiche verkauft wurden.

26 Jahre lang lebte die Familie im Swaziland. Fortwährend malte und zeichnete AC Reck entlang seinem künstlerischen Faden, es entstanden mehrere Tausend Bilder. 2003 kehrte das Ehepaar zurück nach Hamburg, 2006 nahm Reck ein Atelier im Künstlerhaus Sootbörn, wo er bis heute arbeitet. Das Paar wohnt seit 2012 erneut an der Alsterquelle, 2014 feierte es Diamantene Hochzeit.

AUSGESTELLTE WERKE (Auskünfte zu Preisen am Counter)

Gemeindehaus

Saal
1.
Choreographie II, 150x120, Gouache, Stift, 1992
2. Yes my Darling, 193x128, Graphit, Tusche, 1965
3. Choreografie eines Eingeborenentanzes I, 150x110, Gouache, Stift, 2003
4. O'Binang, 200x92, Stift, 1984
5. Lo Bola 160x120, Stift, 1992
6. Ezulvinital, 195x100, Stift, 1975
7. Alfred Mahlau ..., 190x110, Stift, 2004
8. Lobomba, 185x95, Acryl, Stift, 1983

Counter
9.
Christusreiter, 43x60, Holzschnitt, 1951
10. Hl. Familie auf der Flucht, 43x60, Holzschnitt, 1951

Empore
11.
Choreografie eines Eingeborenentanzes III, 156x116, Gouache, Stift, 1996
12. Drei Kerle für Goris, 160x145, Acryl, 2006
13. Der gestiefelte Kater 1, 49x65, Tempera, 1956
14. Der gestiefelte Kater 2, 65x49, Tempera, 1956

Kirche
15.
Adam und Eva auf dem Lowveld, 160x80, Tempera, 1969
16. Recks Vogelbeerbaom, 225x110, Stift, Gouache, 2006
17. Adam und Eva, 180x120, Gouache, 1990         
18. Paternoster Landscape, 113x210, Stift, 2007
19. Visiting Wolfgang Amadeus, 200x110, Stift, 1988        

FINISSAGE
Freitag, 8. Januar 2016, 19.30 Uhr, Gemeindehaus
mit Thomas Sello und Dominique Goris am Piano mit Improvisationen zu den Gemälden

STIFTUNG

AC Reck hat die Hälfte seiner etwa 2500 im Niendorfer Atelier aufbewahrten Arbeiten in eine Stiftung eingebracht, die in Gründung begriffen ist - mit dem Ziel, in Henstedt-Ulzburg ein Reck-Museum mit angegliedertem Kulturzentrum zu etablieren. Auch soll die Stiftung Kontakte zur oberschlesischen Heimat Recks und zu einer Schule im Swaziland pflegen. Die Reck-Stiftung freut sich über Spenden. Zunächst geht das Geld auf das Anderkonto des Notars Horst Schumacher, IBAN: DE4100 69130010 7296380, BIC: GENODEF1BBR.

Weitere Informationen: www.albert-christoph-reck-stiftung.de, www.acreck.jimdo.com, wikipedia

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